Kooperative Forschung: Erfolgsmodell für Verteidigung und Sicherheit
»Mensch und Technik – Kooperative Forschung und Innovation« – der Titel des 7. Technologieforums war für das Fraunhofer FKIE Programm und gelebte Praxis zugleich. Zwei Tage lang zeigte das Institut auf seinem Campus in Wachtberg, was möglich ist, wenn Forschende und Anwender nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten – mit 23 Exponaten, hochkarätigen Impulsvorträgen und einer Paneldiskussion, die unbequeme Fragen nicht scheute, sowie durch den intensiven persönlichen Austausch, der das Format für alle Teilnehmenden seit vielen Jahren so besonders macht.
»Wir möchten uns mit Ihnen austauschen. Wir suchen Ihr Feedback«, betonte FKIE-Institutsleiter Professor Peter Martini in seiner Eröffnungsrede. »Denn hier am FKIE arbeiten wir jeden Tag daran, die Welt sicherer zu machen – nicht nur sicherer zu denken.« Rund 240 geladene Gäste aus dem Bundesministerium der Verteidigung, allen Teilstreitkräften der Bundeswehr, den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie der Industrie waren der Einladung des Fraunhofer FKIE gefolgt, um sich einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse, den klaren Praxisbezug und den Transfer von Ergebnissen zu verschaffen.
Hochrangiges Vortragsprogramm
Den Auftakt des Vortragsprogramms bildete zur Eröffnung Vizeadmiral Dr. Thomas Daum, Inspekteur Cyber- und Informationsraum (KdoCIR), mit einer unmissverständlichen Botschaft: »Kooperative Forschung und Innovation ist keine Phrase, sondern gelebte Realität«, und würdigte damit die langjährige, enge Zusammenarbeit zwischen dem KdoCIR und dem Fraunhofer FKIE. Generalmajor Klaus Frauenhoff, Amtschef des Amtes für Heeresentwicklung, unterstrich in seinem Impulsvortrag die enorme und immer weiter wachsende Bedeutung unbemannter Systeme für das Heer und spannte ebenfalls den Bogen zu der Kooperation mit dem Wachtberger Forschungsinstitut. Tiefe Einblicke in Planungsprozesse und Strukturen lieferte anschließend Erster Direktor Matthias Damm, stellvertretender Amtschef des Planungsamtes der Bundeswehr, und machte dabei deutlich, wie eng die Bundeswehrplanung und die anwendungsnahe Forschung des Fraunhofer FKIE miteinander verzahnt sind.
Mit Blick auf die Zusammenarbeit brachte Flottillenadmiral Christian Bock, Leiter des neu eröffneten Innovationszentrums der Bundeswehr, an Tag 2 seine Philosophie auf den Punkt: »Innovation muss man nicht erfinden, sondern aufnehmen und strukturieren.« Generalmajor Michael Traut, Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr, rückte den Weltraum als kritische Infrastruktur und neues Gefechtsfeld in den Fokus – und zeigte dabei auf, welchen Beitrag die Forschungskompetenzen des Fraunhofer FKIE zur Absicherung weltraumgestützter Fähigkeiten leisten können. Den gelungenen Schlusspunkt setzten Kapitän zur See Jörg Dieter Lorentzen vom Marinekommando und Oliver Witt, Leiter der FKIE-Abteilung »Mensch-Maschine-Systeme« (MMS), mit einem spannenden Rück- und Ausblick: »Gemeinsam 25 Jahre auf Kurs – Die Deutsche Marine und das Fraunhofer FKIE«.
Paneldiskussion: Aufforderung zu mehr Geschwindigkeit
»Wie schaffen wir es, technischen Fortschritt schnell in handlungsfähige Strukturen zu bringen?« – mit dieser Ausgangsfrage eröffnete Moderator Professor Christoph Igel, stellvertretender FKIE-Institutsleiter, die Paneldiskussion »Innovation für gesamtstaatliche Verteidigung und Sicherheit« und entfachte damit eine lebhafte Debatte, bei der das hochrangig besetzte Podium mit seinen Einschätzungen nicht hinter dem Berg hielt.
Professor Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, und Thomas Tschersich, CSO der Deutschen Telekom, konstatierten, dass Deutschland zwar stark in der Forschung sei, Innovationen jedoch schneller in handlungsfähige Strukturen überführt werden müssten. »Wir sind mittendrin in der technologischen Zeitenwende«, betonte auch Generalleutnant Michael Vetter, Abteilungsleiter Innovation & Cyber sowie Chief Information Officer im BMVg – und mahnte zugleich, nicht nur an Prozessen, sondern auch am Mindset zu arbeiten. Eine Einschätzung, der auch Generalmajor a.D. Wolfgang Gäbelein, Vorsitzender der DWT, und Peter Beiderwieden, Vizepräsident des Bundespolizeipräsidiums, beipflichteten. Geschwindigkeit sei dabei das oberste Gebot der Stunde, betonte Tschersich – verbunden mit dem Mut, auch 80-Prozent-Lösungen zu akzeptieren. »Besser ist eine handlungsfähige Lösung heute als eine perfekte, die zu spät kommt.« Einig waren sich alle: Intensiver Austausch und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten sind wichtiger denn je, um Innovation für gesamtstaatliche Verteidigung und Sicherheit voranzubringen.
Herzstück Ausstellung: Kooperationen zum Anfassen
Parallel zum Vortragsprogramm bot die Ausstellung, das Herzstück der Veranstaltung, ein eindrucksvolles Bild gelebter Forschungskooperationen. Mit 23 Exponaten präsentierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des FKIE ihre aktuellen Arbeiten Seite an Seite mit den jeweiligen Entwicklungspartnern der Bundeswehr, den Wehrtechnischen Dienststellen und der Bundespolizei. Erstmals waren auch Exponate des FKIE-Standorts Euskirchen vertreten und dokumentierten damit das gewachsene Portfolio des Instituts.
Ein besonderes Highlight war das Außenareal, auf dem Zukunftstechnologien zum Schutz von Landfahrzeugen präsentiert wurden. Besucherinnen und Besucher konnten dabei in einen GTK Boxer JODAA steigen und die Anwendung ARIVA – Augmented Reality in Vehicle Applications unmittelbar erleben. Gezeigt wurde dort zudem ein kompakter HPEM-Sensor, der elektromagnetische Störungen erkennt sowie deren Richtung und Stärke lokalisiert – eine Technologie mit hoher Relevanz für den Schutz moderner Waffensysteme.
Live-Schaltung zum European Land Robot Trial (ELROB)
Auf großes Interesse stieß auch die Live-Schaltung zum European Land Robot Trial (ELROB) in Thun, Schweiz – dem weltweit größten Leistungsvergleich robotischer Systeme. Dr. Frank E. Schneider, stellvertretender Leiter der FKIE-Abteilung »Kognitive Mobile Systeme« (CMS) und Initiator des ELROB, berichtete live vom Waffenplatz aus über die fünftägige Großveranstaltung mit 21 internationalen Teams und zog eine erste Bilanz über die Fortschritte und Grenzen der militärischen Bodenrobotik.
Fazit: Kooperative Forschung als Erfolgsmodell
Das Gesamtfazit der zweitägigen Veranstaltung fiel eindeutig aus: Das Technologieforum hat einmal mehr unter Beweis gestellt, dass kooperative Forschung für das Fraunhofer FKIE kein Schlagwort, sondern das Fundament der tagtäglichen wissenschaftlichen Arbeit ist. Denn nur im engen Schulterschluss und permanenten Austausch mit den Partnern aus Bundeswehr, Bundesministerium der Verteidigung sowie Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben lassen sich wirksame Lösungen für Verteidigung und Sicherheit entwickeln. Und auch die 7. Auflage hat erneut gezeigt, dass das FKIE-Technologieforum ein wichtiger Ort für den intensiven, zukunftsgerichteten Dialog zwischen Forschung und Praxis ist.
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