Team FKIE stellt sich vor

Nicht nur gestattet, sondern ausdrücklich erwünscht: eigene Forschung

Herr Dr. Govaers, warum arbeiten Sie gerne am Fraunhofer FKIE?

FG: Aus ganz verschiedenen Aspekten. Am Anfang stand für mich die Wissenschaft im Vordergrund, und das tut sie natürlich immer noch. Doch darüber hinaus werden hier Grundlagenforschung und Anwendung sehr schön zusammengeführt. Und anders als an einer Universität wird hier sehr viel interdisziplinär gearbeitet. Das macht für mich nach wie vor einen der attraktivsten Punkte aus.

Weitere Aspekte sind die Kollegen, das gute Arbeitsklima und die Zusammenarbeit mit der Industrie. Mir war vorher gar nicht klar, wie spannend die Probleme sind, die aus der Praxis kommen. Wir entwickeln Lösungen für akute Probleme. Unsere Auftraggeber wissen das sehr zu schätzen.

 

Wenn man sich einmal die Standardphasen einer Produktentwicklung vor Augen führt, in welcher Phase befinden Sie sich mit Ihrer Arbeit? Finden Sie Ihre Forschungsergebnisse manchmal auch in marktreifen Produkten wieder?

FG: Nein, in der Regel eher nicht. Hier am FKIE wird visionär gedacht. Unser Blick ist weit in die Zukunft gerichtet. Wir arbeiten sehr innovativ, entwickeln Neuartiges. Das gefällt mir besonders. So hat man das Gefühl, dass man die Zukunft gestaltet und an Lösungen arbeitet, die den Arbeitsalltag verbessern und die die Welt sicherer machen… Betrachtet man die typischen Phasen einer Produktentwicklung, arbeiten wir also in einem sehr frühen Stadium.

 

Sie sind seit 2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung »Sensordaten- und Informationsfusion« (SDF), seit Anfang 2017 stellvertretender Leiter der Abteilung. Was würden Sie aus der Perspektive dieser erfolgreichen Karriere heraus potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern gerne über das FKIE mit auf den Weg geben wollen?

FG: Von Beginn an übernehmen Mitarbeiter am FKIE viel Verantwortung und arbeiten sehr eigenständig. Sie erhalten zudem sehr viel Freiraum, eigene Forschung voranzutreiben. Das ist nicht nur gestattet, sondern ausdrücklich erwünscht. Auch im Hinblick auf die Verwirklichung eigener Ziele bietet das Institut sehr viel Unterstützung. Ob Promotion oder berufliche Weiterbildung, beim FKIE ist sehr viel mehr möglich als bei den meisten Firmen. Das hängt sicherlich auch mit der engen Bindung an die universitäre Forschung und Lehre zusammen.

 

Künstliche Intelligenz (KI) ist aktuell in aller Munde und wird teilweise auch sehr kritisch diskutiert. Hier am Institut gelten Sie als der KI-Experte. Wie stehen Sie zum Thema?

FG: Als Wissenschaftler bin ich für eine progressive Einstellung gegenüber KI, nicht aber für eine bedenkenlose, dazwischen muss unterschieden werden. Selbstverständlich spielen im Zusammenhang mit KI-Anwendungen neben technischen Aspekten auch rechtliche und ethische Aspekte, Zertifizierungen und vieles mehr eine wichtige Rolle. Ich bin jedoch absolut gegen das Angstverbreiten, wie es aktuell und teilweise ohne jegliche Kenntnis der Materie von der Presse betrieben wird. Bis wir da sind, wo die Menschen glauben, dass wir uns bereits befinden, ist es noch ein sehr langer Weg. Die große Angst in der Bevölkerung ist daher völlig unbegründet.