Ergonomische Arbeitsplätze auf bewegten Plattformen

Militärische Arbeitsplätze auf oder in bewegten Einheiten, sei es auf See, in der Luft oder zu Land, sind besonderen Randbedingungen ausgesetzt. Dazu zählen z. B. hochdynamische Lageänderungen und Bedrohungslagen inklusive Gefecht und hohe Anforderungen an die Informationssicherheit. Zusätzlich sind die Arbeitsplätze permanent Bewegung ausgesetzt.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat das Fraunhofer FKIE eine Konsole entwickelt, die für die Standardisierung solcher Arbeitsplätze verwendet werden soll. Außerdem wurde im Hinblick auf die Evaluierung der Arbeitsplätze ein Simulationssystem entwickelt, das die Bewegungen beispielsweise seegehender Einheiten nachempfindet.

© Fraunhofer FKIE

Arbeitsplätze auf Schiffen und anderen bewegten Plattformen werden üblicherweise so gestaltet wie Arbeitsplätze an Land. Allerdings hat der ständige Seegang als äußerlich induzierte Bewegung einen Einfluss auf die Nutzenden. Dies wirkt sich auch auf die Interaktion mit dem Computerarbeitsplatz und die Leistung aus. Von der der Stärke und Art der äußerlich induzierten Bewegung hängt ab, wie stark dieser Einfluss ist.

Ziel der hier beschriebenen Arbeiten ist es, Bewegungsfaktoren zu bestimmen, die einen besonders großen Einfluss auf die Nutzenden haben. Sie sollen hinsichtlich Art und Größe analysiert werden, um schließlich Gestaltungsempfehlungen abzuleiten. Auf diese Weise können Arbeitsplätze so angepasst werden, dass der Einfluss der Bewegung minimiert wird und eine Bedienung möglichst lange und gut erfolgen kann.

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Im ersten Schritt wurde ein Arbeitsplatz entwickelt, der für die Aufgaben an Bord eines Schiffes optimiert ist. Dabei wurde das Vorgehen zur menschzentrierten Entwicklung nach DIN EN ISO 9241-210 gewählt.

Jedoch war keine Methodik vorhanden, um Arbeitsplätze an Bord von Schiffen, die dem ständigen Einfluss des Seeganges ausgesetzt sind, zu evaluieren. Ein solche Methodik wird derzeit erarbeitet.

Dazu wurden und werden reale Bewegungen, wie sie an Computerarbeitsplätzen auf Schiffen entstehen, aufgezeichnet und analysiert. Anschließend werden auf dieser Basis Bewegungsmuster abgeleitet, die auf einem Bewegungssimulator abgespielt werden können. Diese Simulation ist dann – innerhalb der technischen Bedingungen – den realen Daten möglichst ähnlich und übt einen entsprechenden Einfluss auf die Nutzenden aus.   Mithilfe dieser simulierten Bewegungsabläufe können Arbeitsplätze evaluiert und der Einfluss der Bewegung auf die Nutzenden untersucht werden. 

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Die Marinestandardkonsole (MSK) ist eine speziell für Computerarbeitsplätze auf Schiffen entwickelte Konsole, anhand der eine erste Evaluation eines Arbeitsplatzes sowie eine Untersuchung zum Einfluss von Schiffsbewegungen auf Nutzer durchgeführt wurde. 

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In Zusammenarbeit mit der WTD81 in Greding wurde das Bewegungssimulationssystem »Motion Simulation System« (MoSiS) realisiert, das aus einer Bewegungsplattform, dem Arbeitsplatz MSK sowie den simulierten Bewegungsabläufen besteht. Es wird genutzt, um Untersuchungen zum Einfluss der Schiffsbewegungen auf Nutzende zu quantifizieren und Arbeitsplätze zu evaluieren sowie zu optimieren. Dabei ist das bestehende System eine erste Umsetzung und soll zu einem umfassenden System weiterentwickelt werden.