Leistungsschau für die Elite der europäischen Militärrobotik

Seit seiner Premiere 2006 gilt der European Land Robot Trial (ELROB) weltweit als einer der anspruchsvollsten Leistungsvergleiche auf dem Gebiet der Outdoor-Robotik und unbemannten Systeme. Im Auftrag der Bundeswehr führt die Abteilung Kognitive Mobile Systeme (CMS) alle zwei Jahre diese Evalutionsveranstaltung durch, in der szenariobasiert verschiedene Roboter gemeinsam mit dem potenziellen Nutzer erprobt und verglichen werden. Ziel ist es, einen Überblick über die Leistungsfähigkeit aktuell verfügbarer Systeme und Plattformen mit Blick auf Einsatzmöglichkeiten bei der Bundeswehr zu erhalten.

European Land Robot Trial (ELROB)

© Fraunhofer FKIE/Fabian Vogl
Beim Szenario »Convoying« fahren mindestens zwei Fahrzeuge eine vorgegebene Strecke in einer bestimmten Zeit ab.
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Ziel beim Szenario »Mule« ist, dass der Roboter in einer bestimmten Zeit möglichst oft autonom zwischen zwei Streckenpunkten pendelt.
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Das Auffinden und Retten von Verwundeten steht bei »Search & Rescue« im Mittelpunkt. Bei der ELROB 2024 waren die Dummy-Puppen in einem Tunnel abgelegt.

Ein Hauptkennzeichen des European Land Robot Trial sind problemorientierte Aufgabenstellungen. Sie orientieren sich an realen Situationen aus dem militärischen Umfeld und sind mit herkömmlichen Technologien nur schwer zu lösen. Dies soll einen zusätzlichen Anreiz für die Teams schaffen, innovative Lösungen zu entwickeln. Darüber hinaus sind bei der ELROB grundsätzlich automatisierte Lösungsansätze erwünscht - eine Forderung, die 2026 noch vertieft werden soll. Die zu bearbeitenden Aufgaben gliedern sich im Wesentlichen in vier Szenarien:

  •     Transport - Convoy (Transport with two vehicles)

Die Aufgabe soll mit mindestens zwei Fahrzeugen und dabei so schnell wie möglich sowie mit einer möglichst hohen Autonomie durchgeführt werden. Jedes Team erhält eine Karte mit GPS-Punkten, die in der vorgegebenen Reihenfolge innerhalb eines bestimmten Zeitraums abzufahren ist. Auf dem Rundkurs sind zudem verschiedene Zusatzaufgaben zu lösen, zusätzlich müssen die Teams mit weiteren Hindernissen wie Fremdfahrzeugen innerhalb des Konvois und stellenweise gestörtem GPS-Empfang zurechtkommen.

  •     Transport - Mule (Shuttle between two locations)

Der automatisierte Transport von Material zwischen zwei definierten Punkten bildet die Ausgangslage für diesen Parcours: Von einem vorgegebenen Startpunkt aus soll der Roboter zunächst einer Person folgen, die den Roboter zum Zielpunkt führt. Dieser Punkt wird im Anschluss als Wendepunkt beim autonomen Pendeln genutzt. Ziel sind möglichst viele autonome Fahrten zwischen Start- und Wendepunkt in einer vorgegebenen Zeit. Auch bei diesem Szenario haben die teilnehmenden Teams mit gestörtem GPS-Empfang, unerwarteten Hindernissen sowie einer plötzlich geänderten Streckenführung – etwa aufgrund von Sperrungen – zu rechnen.

  • Search and Rescue (SAR) / CasEvac (Find and drag a dummy body)

Die Rettung von Verwundeten im militärischen Umfeld ist häufig eine schwierige und gefährliche Aufgabe. Die Verwundeten im bei der ELROB nachgestellten Szenario werden durch Dummy-Puppen von unterschiedlichem Gewicht simuliert. Die Aufgabe besteht darin, die Puppen innerhalb einer bestimmten Zeit mit größtmöglicher Autonomie zu finden, aufzunehmen, zu einer vorgesehenen Position zu transportieren und dort abzulegen. Zudem sollen die Teilnehmer an der Position des Dummys Bilder aufnehmen und dessen exakte Position bestimmen.

  • Reconnoitering of Structures (3D mapping and search for OPIs)

Die Aufklärung von Strukturen und ihrer unmittelbaren Umgebung ist ein wichtiger Bestandteil urbaner Kampfeinsätze. So stand 2024 in dieser Kategorie eine komplett verdunkelte Tunnelröhre im Fokus, in der verschiedene Objekte platziert wurden, die autonom erkannt, fotografiert und kartografiert werden mussten. Bei den aufzuklärenden Objekten handelt es sich häufig um Geräusch- und Wärmequellen sowie aus dem Güterfernverkehr bekannte Gefahrstoffschilder. Während der Suche muss zudem eine 3D-Karte der Umgebung erzeugt werden.

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Eine Jury, besetzt mit renommierten Robotikexperten, prüft anhand festgelegter Bewertungskriterien die Leistung der Teams und ihrer robotischen Systeme.
© Fraunhofer FKIE/Fabian Vogl
Während der Veranstaltung tüfteln die Teilnehmer oft rund um die Uhr an ihren Robotern, um sie optimal auf den Parcours vorzubereiten.

Der European Land Robot Trial (ELROB) stellt den Teilnehmern eine reale Einsatzumgebung mit aktuellen Szenarien zum Testen ihrer Systeme zur Verfügung. Die derzeit verfügbaren Fahrzeuge sollen ihre Fähigkeiten in einer einsatznahen Umgebung demonstrieren. Dazu werden reale Szenarien mit militärischen Fragestellungen in vereinfachter Form nachgestaltet. Oberste Prämisse dabei ist, alle Parcours möglichst autonom zu bewältigen.

Organisiert ist die Veranstaltung, die alle zwei Jahre im Wechsel in Deutschland, Österreich und in der Schweiz stattfindet, wie ein Leistungsvergleich. Die Teilnehmerteams können sich für unterschiedliche Disziplinen melden und sich in diesen messen. Eine Expertenjury und die direkte Beteiligung von Entscheidungsträgern tragen dazu bei, dass die präsentierten Technologien nicht nur technisch bewertet, sondern auch hinsichtlich ihres Einsatzpotenzials für die Bundeswehr eingeschätzt werden können.

Validierung neuer Technologien

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Prototypen, Pilotprojekte und Demonstratoren, die häufig von Universitäten, Forschungseinrichtungen oder Startups präsentiert werden. Auch solche, meist sehr innovativen Ansätze können direkt in den Veranstaltungen und damit in realen Umgebungen getestet werden, was eine risikoarme und kosteneffiziente Möglichkeit darstellt, neue Technologien zu validieren. Die Teilnehmer haben ihrerseits Gelegenheit, sich zu vernetzen, über neueste Entwicklungen und Fortschritte auszutauschen und unterschiedliche Lösungsansätze bei der Bewältigung der verschiedenen Aufgaben zu vergleichen.

 

 

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In enger Abstimmung mit den Anwendern werden die ELROB-Szenarien entwickelt.
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Teams aus ganz Europa werden wieder zur nächsten ELROB-Ausgabe im Sommer 2026 in Thun in der Schweiz erwartet.

Insgesamt gelten im Bereich der Robotik Evaluationsveranstaltungen wie der European Land Robot Trial – ein umsichtiges Design von Szenarios, Regeln und Bewertungskriterien vorausgesetzt – als sinnvolles und nutzbringendes Werkzeug zum Vergleich und zur Bewertung von Systemen und Systemkomponenten. Sie bieten somit eine gute Gelegenheit, wichtige neue Robotiktechnologien nicht nur frühzeitig zu erkennen, sondern auch aktiv in einen möglichen Beschaffungsprozess zu integrieren.

Hinsichtlich der Autonomie waren zuletzt bei der ELROB 2024 in den Parcours »Convoy« und »Mule« bei einigen Teams gute Ansätze erkennbar. Für ELROB 2026, die vom 15. bis 19. Juni auf dem Waffenübungsplatz Thun in der Schweiz ausgerichtet wird, sollen die Themen Autonomie bzw. automatisierte Funktionen weiter priorisiert werden.

Kombinierter Einsatz von UGV und UAV

Erstmals liegt 2026 zudem bei allen Szenarien ein Fokus auf dem kombinierten Einsatz von Unmanned Ground Vehicles (UGV) und Unmanned Aerial Vehicles (UAV). Nicht ohne Grund, wie ELROB-Initiator Dr. Frank E. Schneider, stellvertretender Leiter der Abteilung CMS, betont: »Sowohl aktuelle Einsatzlagen als auch vorherige Veranstaltungen haben deutlich gezeigt, dass der alleinige Einsatz von Robotern oder Drohnen oft nicht zielführend ist. Im Verbund lassen sich häufig bessere Ergebnisse erreichen.«

Best of ELROB 2024

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