IT-Sicherheitsabteilungen großer Organisationen – sogenannte Security Operations Centers (SOCs) – stehen vor einem grundlegenden Problem: Sensoren in Netzwerken, auf Servern und Endgeräten erzeugen täglich enorme Mengen an Sicherheitsalarmen. Der überwiegende Teil davon sind jedoch Fehlalarme. Da Analystinnen und Analysten nicht jeden einzelnen Alarm prüfen können, werden echte Angriffe leicht im Rauschen übersehen. Dieses Phänomen ist als Alert Fatigue bekannt.
Ein in der Praxis etablierter Lösungsansatz ist Risk-Based Alerting (RBA). Statt jeden Alarm einzeln manuell zu bewerten, wird zunächst ein Risikowert anhand definierter Risikoregeln berechnet. Eine manuelle Prüfung erfolgt erst, wenn sich für die Nutzenden oder ein System ein hohes Risiko ergibt – etwa, wenn mehrere unterschiedliche Alarme in kurzer Zeit auf demselben Rechner auftreten. Erfahrungsberichte aus Unternehmen sind vielversprechend, eine systematische und objektive Bewertung des Verfahrens fehlte bislang jedoch.
Genau hier setzt dieses Forschungsprojekt an. Trotz positiver Praxisberichte existiert bislang keine fundierte, objektive Bewertung von Risk-Based Alerting. Es ist unklar, welche der vorgeschlagenen Regeln tatsächlich funktionieren, wie sie sinnvoll konfiguriert werden sollten und wie gut sie sich auf unterschiedliche IT-Umgebungen übertragen lassen. Sicherheitsteams sind daher weitgehend auf Bauchgefühl und vereinzelte Erfahrungswerte angewiesen.
Ziel des Projekts ist es, diese Lücke zu schließen und zwei zentrale Fragen zu beantworten: Kann Risk-Based Alerting die Alarmflut in SOCs wirksam reduzieren – und wie sollte es konkret umgesetzt werden? Das Projekt schafft eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Sicherheitsteams und stellt darüber hinaus Werkzeuge sowie Datensätze bereit, mit denen sich die Methode an die jeweils eigene Umgebung anpassen lässt.