Zukunftsstudie von Industrie und Forschung fordert mehr Verantwortung für maritimen Lebensraum und internationale Führungsrolle Deutschlands

22.5.2019

• Gemeinsame Zukunftsstudie der ATLAS ELEKTRONIK, des DLR und des Fraunhofer FKIE in Friedrichshafen an Bundesregierung übergeben • Höhere Investitionen zur Bewahrung maritimer Interessen notwendig • Handlungsfelder: Gemeinsames Verständnis, Internationale Kooperation, Technologische Entwicklung, Künstliche Intelligenz und IT-Sicherheit

© thyssenkrupp Marine Systems
Übergabe der Zukunftsstudie »Maritime 2050+« an die Bundesregierung: Dr. Dennis Göge, Programmkoordinator Sicherheitsforschung und Gründungsdirektor des Instituts für den Schutz maritimer Infrastrukturen beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Norbert Brackmann, MdB und Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Michael Ozegowski, CEO von ATLAS ELEKTRONIK, Dr. Kai Nürnberger, Leiter Strategie & Markterschließung des Fraunhofer FKIE (v.l.n.r.).

Der maritime Bereich ist wesentlich für das menschliche Leben. Meeresressourcen nähren eine wachsende Weltbevölkerung, die sich zunehmend in Küstengebieten konzentriert. Seeverkehrskorridore sind die Lebensadern der Globalisierung. Der Wohlstand baut aber nicht nur auf dem uneingeschränkten Austausch von Ressourcen, Gütern, Informationen und der Mobilität der Menschen auf, sondern im besonderen Maße auf der Erhaltung dieses einzigartigen Lebensraumes.

Die gemeinsame Zukunftsstudie »Maritime 2050+« von ATLAS ELEKTRONIK, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie dem Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE widmet sich den Entwicklungen des maritimen Raumes in den nächsten Jahrzehnten und zeigt Maßnahmen auf, um die unterschiedlichen ökonomischen wie ökologischen Interessen zusammenzubringen. Neben dem Klimawandel und einem immensen Bevölkerungswachstum erwarten die Autoren der Zukunftsstudie in den nächsten Jahrzehnten eine weiter wachsende Nutzung der Meere – zur Trinkwasser- und Nahrungsgewinnung, aber auch in der Nutzung maritimer Ressourcen.

Michael Ozegowski, CEO von ATLAS ELEKTRONIK: »Über das wachsende Bedürfnis nach Meeresressourcen wächst gleichermaßen das Konfliktpotenzial zwischen den Ländern. Wir müssen auf nationaler wie internationaler Ebene enger zusammenarbeiten, neue Technologien schaffen und Regeln etablieren, die ein friedliches Wirtschaften ermöglichen und gleichzeitig den maritimen Raum schützen.«

Dr. Dennis Göge, Programmkoordinator Sicherheitsforschung und Gründungsdirektor des Instituts für den Schutz maritimer Infrastrukturen beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): »Wir erhoffen uns von der Politik, dass der bereits bestehende Fokus auf den maritimen Bereich beibehalten und idealerweise sogar intensiviert wird. Um technologische Lösungen besser von der Forschung in die Anwendung zu bringen,  brauchen wir zielgerichtete Förderprogramme. Unabhängige Testeinrichtungen, stärkere Unterstützung bei Qualifizierung und Training sowie die Schaffung bereichsübergreifender Synergien sind notwendig, um den maritimen Raum nachhaltig zu nutzen.«

Prof. Dr. Peter Martini, Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE: »Digitalisierung und IT-Sicherheit sind die beiden Treiber zur Weiterentwicklung der maritimen Wirtschaft. Dabei müssen wir nutzergerechte Lösungen finden, KI verantwortungsvoll einbinden und pragmatische Schutzmechanismen installieren.«

Die folgenden Handlungsfelder sind aus Sicht der Autoren der Zukunftsstudie »Maritime 2050+« entscheidend, um die unterschiedlichen ökonomischen, ökologischen und sicherheitsrelevanten Interessen zusammenzubringen:

Gemeinsames Verständnis und klare Regeln

Alle relevanten Interessengruppen sollten eine gemeinsame, ganzheitliche Sichtweise des maritimen Bereichs entwickeln, die die Komplexität dieses fragilen Systems widerspiegelt. Unvorsichtiges oder sogar kriminelles Verhalten hat in der Vergangenheit immer wieder zu ernsten ökologischen Vorfällen mit schlimmen Folgen geführt. Es braucht Regeln und strikte Einschränkungen, die für alle Benutzer gelten.

Internationale Kooperation

Regierungen, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und andere wichtige Akteure müssen weltweit zusammen Initiativen vorantreiben. Nur so übernehmen wir gemeinsam Verantwortung für einen Lebensraum, den wir alle teilen. Es muss eine leitende Hand geben, aber jede Regierung muss auch ihren intellektuellen und finanziellen Anteil einbringen, um die Entwicklung gemeinsamer Lösungen zu unterstützen.

Technologische Entwicklung

Es braucht eine langfristige Perspektive, um die vor uns liegenden technologischen Herausforderungen zu lösen. Dazu gehören globale Überwachungslösungen für maritime Anwendungen, die Entwicklung autonomer Fahrzeuge für Transport, Erkundung und Instandhaltung, die nahtlose Integration heterogener Systeme und die Fusion großer Datenströme, um das volle Potenzial der Digitalisierung zu nutzen.

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz wird die Möglichkeit zur Nutzung und zum Schutz unserer maritimen Welt stark verändern. Gleichzeitig können intelligente Systeme in kritischen Situationen das menschliche Denken nicht vollständig ersetzen. Die Forschung muss sich daher mit verantwortungsvoller Entscheidungsfindung befassen. Dazu gehören auch Aspekte wie Datenintegrität, kausale Transparenz oder Systemzuverlässigkeit.

IT-Sicherheit

Die steigende Digitalisierung geht mit einem zunehmenden Risiko für die Sicherheit von IT-Systemen einher. Mit seiner kritischen Infrastruktur ist der maritime Bereich dabei besonders bedroht. Um gegen Diebstahl, Manipulationen, Sabotage und Störungen besser geschützt zu sein, müssen geeignete Lösungen, z. B. bei gemeinsamen Standards, Zertifizierungen, einer verbesserten Systemstabilität und einem flächendeckenden Monitoring, entwickelt und umgesetzt werden. Um dies international zu erreichen, kommt Regierungen eine Schlüsselaufgabe zu.

An die deutsche Politik gerichtet, sehen die Autoren der Zukunftsstudie vor allem die Notwendigkeit mehr zu investieren, damit Deutschland seine wirtschaftlichen, umweltpolitischen und sicherheitsbezogenen maritimen Interessen wirksam verfolgen kann.

Der Bericht »Maritime 2050+« wurde am 22. Mai 2019 in Friedrichshafen an den zuständigen Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann, übergeben. Erstellt wurde »Maritime 2050+« gemeinsam von ATLAS ELEKTRONIK, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie dem Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE.