BMBF-geförderte Drohnenabwehr-Projekte tauschen Forschungsergebnisse aus

6.5.2019

Seitdem Drohnen den Londoner Flughafen für anderthalb Tage lahmlegten, ist »Gatwick« das Synonym für einen der schlagzeilenstärksten Drohnenvorfälle. Über 140.000 Passagiere waren von ausfallenden Flügen und Verzögerungen betroffen. Das Ereignis zeigt: Szenarien wie dieses sind eine reale und ernst zu nehmende Gefahr. Zu ihrer Erkennung und Abwehr fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) aktuell vier Forschungsprojekte unter Fraunhofer-Beteiligung: AMBOS, ArGUS, MIDRAS und ORAS. Zum Austausch über den Forschungsstand kamen die beteiligten Partner jetzt im Rahmen eines »Counter-UAS Symposiums« auf dem Campus des Fraunhofer FHR und des Fraunhofer FKIE in Wachtberg zusammen.

© Fraunhofer FHR

»Gemeinsam zu bestmöglichen Ergebnissen kommen«, lautete die Devise, die Eckhart Curtius, zuständiger Referent im BMBF für die zivile Sicherheitsforschung, bei der Eröffnung des Symposiums ausgab. Sein Ministerium fördert die vier Drohnenabwehr-Projekte mit insgesamt 9,2 Millionen Euro.

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Schon durch die Zunahme der Drohnen im kommerziellen Umfeld würden die Drohnenszenarien künftig immer komplexer, sagte Dr. Dirk Nüßler, Verbundkoordinator des Forschungsprojekts ORAS. Intensive Forschung und fachlicher Austausch werden daher immer wichtiger.

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Ziel des Symposiums: Synergien ausloten und Irrwege offenlegen, damit niemand anderer sie noch einmal geht, so Hans Peter Stuch, Verbundkoordinator des Projekts AMBOS.

»Mit den vier Forschungsprojekten möchte das BMBF die Entwicklung von Lösungen zur Erkennung und Abwehr von Drohnenangriffen maßgeblich vorantreiben«, so Eckhart Curtius, zuständiger Referent im BMBF für die zivile Sicherheitsforschung. »Die Zusammenführung aller Aspekte der Forschungstätigkeit in den einzelnen Projekten im Rahmen dieses Symposiums soll zu bestmöglichen Ergebnissen in der Gesamtheit beitragen.«

Die zweitägige Veranstaltung bot Forschern, Entwicklern und Anwendern Gelegenheit, sich in Vorträgen und Workshops einen Überblick über Stand und Schwerpunkte der einzelnen Projekte zu verschaffen. »Ziel war es, mögliche Synergien auszuloten und auch Irrwege offenzulegen, um zu vermeiden, dass andere diese eventuell noch einmal gehen«, so Hans Peter Stuch, Verbundkoordinator des Forschungsprojekts AMBOS. Konsens bestand darin, dass der Markt derzeit keine zuverlässige Lösung zur Erkennung und Abwehr eines Drohnenangriffs bietet. Zudem stellen die schnelle Weiterentwicklung der Drohnentechnologie und sich mit ihr wandelnde Angriffsszenarien wie beispielsweise durch Drohnenschwärme neue Ausgangssituationen und Herausforderungen dar.

Rechtssicherheit für die Anwender der Drohnen-Abwehrsysteme

Zu den inhaltlichen Schwerpunkten des Symposiums zählte neben technischen Aspekten auch die rechtliche Begleitforschung, die parallel von allen vier Projekten geleistet wird. Aktuell stehen die rechtlichen Rahmenbedingungen noch nicht, in denen sich Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) beim Einsatz der künftigen Systeme bewegen. Im Sinne einer Rechtssicherheit für die Anwender müssen diese dringend geschaffen werden. Zu klären gilt es beispielsweise, wann und für welche Einsätze eine Genehmigung, eine sogenannte Eingriffsbefugnis, erforderlich ist.

Weiteren Aktionsbedarf von Seiten des Gesetzgebers identifizierte Wilfried Joswig, Geschäftsführer des Verbands für Sicherheitstechnik (VfS): »Welche Instanz greift eigentlich ein, wenn Regularien verletzt werden? Bislang sehe ich keine. Das macht mich momentan nervös.« Schließlich müsse es, wo Recht gilt, auch eine Instanz geben, die dieses überwacht und durchsetzt.

Polizeialltag: Drohnenvorfälle durch uninformierte Hobbypiloten

Die Erkennung und Vereitelung eines terroristisch motivierten Drohnenangriffs ist die Ausgangsaufgabenstellung aller vier BMBF-Projekte. Eine Frage, vor die sich die Polizeien von Bund und Ländern allerdings tagtäglich gestellt sehen, ist die, wie sie vor dem Hintergrund stetig zunehmender Drohnenzahlen am Himmel mit den vielen Verstößen umgehen sollen, die von Hobbypiloten aus simpler Unkenntnis von Rechtslage und Flugverbotszonen oder auch aus purem Leichtsinn begangen werden. Denn sie können, wenn auch unbeabsichtigt, fatale Folgen haben.

Wie bei der Einführung des Automobils sei neben dem technischen und rechtlichen Fortschritt aus diesem Grund ein gesellschaftlicher Diskurs wichtig, empfahl Guido Morber von Becker Büttner Held Rechtsanwälte. Nur so könne das Bewusstsein für Chancen und Risiken der neuen Drohnentechnologie in der Bevölkerung geschärft werden. Denn eines sei klar und nicht mehr abwendbar, so der Rechtsanwalt: »Die Infrastruktur wird sich in die dritte Dimension heben.«

Drohnenszenarien der Zukunft werden immer komplexer

Teilnehmer und Referenten zogen ein durchweg positives Fazit der Veranstaltung. »Das Counter-UAS Symposium hat gezeigt, wie gut sich die verschiedenen Projekte mit unterschiedlichen Facetten derselben Problematik ergänzen. Es ist beeindruckend zu sehen, welche Fortschritte in den einzelnen Technologien gemacht wurden, auch wenn es noch viele Herausforderungen zu bewältigen gibt«, kommentierte Dr. Dirk Nüßler, Verbundkoordinator des Forschungsprojekts ORAS. »Die Szenarien der Zukunft werden immer komplexer, allein schon durch die Zunahme der Drohnen im kommerziellen Umfeld. Dadurch werden immer mehr Drohnen am Himmel sein, beispielsweise als Lieferanten von Paketen, Lebensmitteln oder medizinischem Bedarf. In diesem Umfeld eine einzelne Drohne zu detektieren, von der eine mögliche Gefahr ausgeht, stellt die Branche vor völlig neue Herausforderungen. Eine intensive Forschung und Entwicklung und der fachliche Austausch in diesem Bereich wie im Rahmen dieses Counter-UAS Symposiums werden daher immer bedeutsamer.«