Informationstechnik für Führungssysteme - Projekte

Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE

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MIP – Multilateral Interoperability Programme


Die Interoperabilität von Führungsinformationssystemen ist eine wesentliche Voraussetzung für ein gemeinsames Lageverständnis aller beteiligten Einheiten. In der Praxis stellt die Interoperabilität jedoch eine große Herausforderung dar, da existierende Systeme oftmals unterschiedliche Datenformate und Semantiken verwenden. Dies gilt insbesondere auf internationaler Ebene, wo unterschiedliche nationale Grundsätze zu harmonisieren sind.

Ein gemeinsamer Standard für militärische Führungsinformationssysteme

Ziel des Multilateral Interoperability Programme (MIP) ist es, einen gemeinsamen und offenen Standard für den Informationsaustausch zwischen heterogenen Führungsinformationssystemen zu etablieren. Informationen können damit semantisch eindeutig ausgetauscht werden. Die MIP-Lösung ist insbesondere bei internationalen Einsätzen von Bedeutung, da die Entwicklung der Führungssysteme in der Verantwortung der einzelnen Koalitionspartner liegt. Gegenwärtig wird die MIP-Lösung z.B. in Afghanistan für den Informationsaustausch eingesetzt.

Die MIP-Lösung beruht technisch auf einem Publish-Subscribe-Mechanismus, mit dem ein Empfänger eine oder mehrere Informationsgruppen eines Datenanbieters abonnieren kann. Die Semantik der ausgetauschten Informationen wird durch das Joint Consultation, Command and Control Information Exchange Data Model (JC3IEDM) definiert, welches von MIP in Zusammenarbeit mit der NATO entwickelt wurde.

Einzigartige, Internet-basierte Testmöglichkeiten

Um die Konformität der Führungsinformationssysteme zur MIP-Spezifikation objektiv und effizient testen zu können, hat das FKIE eine umfangreiche formale Testsuite spezifiziert und ein automatisiertes Testwerkzeug realisiert.Das MIP Test Reference System (MTRS) bietet eine im militärischen Umfeld einzigartige Möglichkeit, die Konformität des eigenen Führungsinformationssystems automatisiert über das Internet zu testen. Hierzu wurden formale Testsprachen und Testverfahren entwickelt. Als herstellerunabhängige Einrichtung wird das Testsystem des FKIE bislang weltweit für ca. 35 Systeme genutzt.

Weiterentwicklungen

Das FKIE nimmt im Auftrag des IT-Amts der Bundeswehr an der Standardisierung und den Testaktivitäten in MIP teil. Derzeit beteiligt sich das FKIE aktiv an der Weiterentwicklung der Spezifikation, mit dem Ziel eine modulare, service-orientierte Interoperabilitätslösung zu entwerfen, die sich auch für die taktische Ebene und ihre schmalbandigen Netze eignet. Unter Nutzung des Model-Driven Architecture (MDA)-Ansatzes werden Verfahren zum Management komplexer Datenmodelle entwickelt und umgesetzt.

Eine Lösung auch für zivil-militärische Zusammenarbeit

Ebenso wie für den Informationsaustausch zwischen militärischen Einheiten sind einheitliche Interoperabilitätsstandards z.B. auch für die zivil-militärische Zusammenarbeit erforderlich. Hier bietet das JC3IEDM als semantische Referenz eine gute Grundlage. Die Konzepte des vom FKIE entwickelten und betriebenen MIP Test Reference System (MTRS) lassen sich auch auf andere Interoperabilitätslösungen übertragen.

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