Feuer an Bord! Neue Technologien unterstützen Einsatz- und Führungskräfte der Feuerwehr durch gemeinsames Lagebild.

Echtzeit-Information über die genaue Brandlage an Bord

Einsatzunterstützungssystem für Feuerwehren zur Gefahrenbekämpfung an Bord von Seeschiffen (EFAS)

Feuer an Bord! Für die Besatzung ein Schreckensszenario. Gerät allerdings ein im Hafen liegendes Schiff in Brand, kommt eine zusätzliche Problematik hinzu: Die Zuständigkeit liegt in diesem Fall bei der landseitigen Feuerwehr. Die ist für Brände auf Schiffen jedoch nicht umfangreich ausgebildet.

Um die Wehrleute bei einem solchen Großeinsatz zu unterstützen, arbeitet das Fraunhofer FKIE an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt »Einsatzunterstützungssystem für Feuerwehren zur Gefahrenbekämpfung an Bord von Seeschiffen« (EFAS) mit. Ziel ist die optimale Ausstattung der Feuerwehr mit technologischen Neuentwicklungen für die Gefahrenbekämpfung an Bord. Sicherheit, Effizienz und Effektivität der Feuerwehr sollen so deutlich erhöht werden.

© Foto Fraunhofer FKIE

Infografik zur Funktionsweise des Entscheidungsunterstützungssystems »EFAS«: Sensoren in der Schutzkleidung der Einsatzkräfte übermitteln Daten über die an Bord vorgefundenen Temperaturen und Gefahrstoffe. Diese werden mittels Sensordatenfusion permanent zu einem Lagebild zusammengeführt. Das Bild wird der Einsatzleitung sowie den Gruppenleitern unter Deck auf stationären bzw. mobilen Endgeräten inklusive Handlungsempfehlungen zur Verfügung gestellt.

Sensoren, die sich in der Schutzkleidung der Einsatzkräfte an Bord befinden, übermitteln der Einsatzleitung Körper- und Umgebungstemperatur. Neben der Ortung der Feuerwehrleute auf dem Schiff kann mittels dieser Daten auch die Temperaturverteilung unter Deck und daraus gegebenenfalls die Lage des Brandherdes lokalisiert werden. Andere in die Schutzkleidung integrierte Sensoren detektieren Gefahrstoffe und geben entsprechende Meldung an die Einsatzleitung. Das Einsatzunterstützungssystem beinhaltet weiterhin ein sicheres und robustes Funksystem, das die zuverlässige Kommunikation ins Schiffsinnere sicherstellt.

Über ein Darstellungssystem erhält der Einsatzleiter an Land somit permanent ein elektronisches Lagebild, das ihm weitere Handlungsempfehlungen gibt. Dies erfolgt über Brandmelde-, Brandbekämpfungs- und Sicherheitssysteme sowie über konkret ausgewählte Brandszenarien, die als Basis für das Entscheidungsunterstützungssystem zu Rate gezogen werden.

Zusätzlich zu dem deutlich verbesserten Schutz für die Einsatzkräfte steht auch die Sicherheit für die unmittelbare Umgebung der im Hafen liegenden Schiffe im Fokus des Projekts. Ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Schiffe wie auch Infrastrukturen und die Gefährdung von Menschen an Land gilt es zu verhindern.

© Foto Fraunhofer FKIE

Das Lagedarstellungssystem zeigt die Positionen der Einsatzkräfte und aktuelle Informationen zur Einsatzlage auf einem elektronischen Decksplan.

Zur besseren Visualisierung der Gefahrenlage werden zwei Typen von Systemen entwickelt: Sämtliche Informationen zum Lagebild werden im stationären System des Einsatzleitwagens visualisiert. Dem Einsatzleiter und den Gruppenleitern an Bord hingegen werden mobile Systeme zur Verfügung gestellt. Via Tablets erhalten sie alle relevanten Angaben über das Vorankommen und die Brandbekämpüfungsmaßnahmen ihrer Einheiten im Einsatz. Der Vorteil: »Die mobilen Systeme werden so konzeptioniert, dass Empfänger nur die für sie relevanten Informationen erhalten«, erläutert Projektkoordinator Dr. Daniel Feiser. Hierdurch würden die Einsatzkräfte weniger belastet.

Dem Projekt, das bis 2019 ausgelegt ist, steht die Feuerwehr Wilhelmshaven als assoziierter Partner zur Seite. Geplant ist allerdings, auch weitere Feuerwehren zur Anwendung von »EFAS« zu befragen. Insgesamt sieht das Konzept sogar vor, Einsatzunterstützungssysteme auch auf andere Einsatzorte zu übertragen. Dr. Feiser: »Das langfristige Ziel ist, EFAS nicht nur für Schiffe im Hafen anzuwenden, sondern zum Beispiel auch auf Schiffen auf hoher See, für die Brandbekämpfung in Stadien, Industrieanlagen oder in öffentlichen Gebäuden.«

Das BMBF-Verbundprojekt »Einsatzunterstützungssystem für Feuerwehren zur Gefahrenbekämpfung an Bord von Seeschiffen« (EFAS) wird im Themenfeld »Zivile Sicherheit – Innovative Rettungs- und Sicherheitssysteme« im Rahmen des Programms »Forschung für die zivile Sicherheit 2012-2017« der Bundesregierung gefördert (s. auch www.sifo.de).

Gefördert vom

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Projektträger

  • VDI Technologiezentrum

Projektkoordinator

  • Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE

Verbundpartner

  •  ATS Elektronik GmbH
  • Institut für Sicherheitstechnik und Schiffssicherheit e.V.
  • Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung (DITF)
  • MARSIG mbH
  • S-GARD

Assoziierter Partner

  • E.R. Schiffahrt
  • Feuerwehr der Stadt Wilhelmshaven
  • Polizei Hamburg
  • Hansestadt Rostock
  • Verband Deutscher Reeder