9. BDCS

Das Kommando Cyber- und Informationsraum – »ein Glücksfall für Bonn und für Deutschland«

14.7.2017

Bonn ist der wesentliche Standort für Cybersicherheit und das Cyberkompetenzzentrum in Deutschland, hierüber waren sich die Teilnehmer des 9. Bonner Dialogs für Cybersicherheit (BDCS) einig. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, die gemeinsam von Fraunhofer FKIE, der Stadt Bonn, der Deutschen Telekom, der IHK Bonn/Rhein-Sieg und der Allianz für Cybersicherheit organisiert wird, stand die Frage: »Das neue Cyberkommando – Chance für Bonn?!«

© Foto Hans-Jürgen Vollrath

»Das neue Cyberkommando - Chance für Bonn?!« – Diese Frage diskutierten beim 9. Bonner Dialog für Cybersicherheit (v.l.) Dr. Rüdiger Peusquens, Prof. Dr. Peter Martini, Generalmajor Michael Vetter, Prof. Dr. Michael Meier, Ralf Otten und Dr. Hubertus Hille.

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Unterstützung für ein gemeinsames Cluster der vielen wichtigen Player der Region aus dem Bereich »Cybersicherheit« versprach Prof. Dr. Peter Martini.

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Lebhafte Diskussion zwischen Podium und Publikum ergab sich inbesondere beim Thema »Fake News«.

Als »Glücksfall nicht nur für Bonn, sondern auch für Deutschland« bezeichnete Prof. Dr. Peter Martini, Institutsleiter des Fraunhofer Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE, das neu eingerichtete Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR) der Bundeswehr. Nirgendwo sonst in Deutschland gebe es eine derartige Kompetenzbündelung staatlicher Institutionen, Forschungseinrichtungen und entsprechender Industrie wie im Bonner Raum, hob Martini hervor. Gleichzeitig sei es für die Bundeswehr von großer Wichtigkeit, dem Thema »Cyber« eine zentrale Bedeutung beizumessen und den Cyber- und Informationsraum als eigenen Organisationsbereich zu definieren.

Einen Einblick in die Struktur und Arbeitsweise des neuen Kommandos erhielten die zahlreichen Besucher des 9. BDCS dann auch aus erster Hand: Generalmajor Michael Vetter, stellvertretender Inspekteur und Chef des Stabes CIR, stellte das »New kid on the block«, wie er den jüngsten militärischen Organisationsbereich der Bundeswehr gern nannte, vor. »Die Landkarte ist komplizierter geworden. Im Cyberraum gibt es keine Grenzen mehr«, fasste Vetter die politische Lage zusammen. »Cyber durchdringt alle Bereiche der Bundeswehr.« Aus diesem Grund habe die Bundesregierung im Rahmen der Cybersicherheitsstrategie eine deutlich stärkere Rolle der Bundeswehr in der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge eingeplant. Primäre Aufgabe des CIR sei die Abwehr von Bedrohungen im Cyberraum gegen die Streitkräfte.

Gründung eines IT-Sicherheitsclusters

Gemeinsam den IT-Standort Bonn weiter auszubauen und zu stärken, war dann auch die einhellige Forderung aller Teilnehmer der Diskussion. »Unser Ziel muss der permanente Austausch sein. Ich setze hohe Erwartungen an die künftige Zusammenarbeit«, meinte Dr. Rüdiger Peusquens, der Leiter des Cyber Defence Center der Deutschen Telekom. An dieser Stelle setzte sich auch Ralf Otten von der Firma steep für Kooperationen ein: »Wir haben als Mittelständler nicht die Ressourcen im Bereich Cybersicherheit und sind auf einen aktiven Austausch angewiesen.« Dr. Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn-Rhein-Sieg, machte direkt einen konkreten Vorschlag und schlug die Gründung eines IT-Sicherheitsclusters mit allen Playern der Region aus der Cyber Security als Interessenvertretung vor. Aktive Unterstützung versprach Martini, der sich dafür einsetzte, dass das Pfund IT-Kompetenzzentrum stärker nach außen getragen werden müsse.

Die Suche nach Personal als zentrale Herausforderung

Als zentrale Herausforderung für alle Beteiligten stelle sich derzeit und in Zukunft die Suche nach Fachkräften im Bereich IT dar. Hier müsse natürlich jeder seine Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität als Arbeitsgeber hervorheben. Gleichzeitig könnten auch hierbei gemeinsame Initiativen als Anreiz für künftige Mitarbeiter erarbeitet werden. Unterstützung werde auch seitens der Politik erwartet, den Standort Bonn mit Blick auf die Lebensqualität und die Erreichbarkeit weiter auszubauen und Situationen zu verbessern.

Viele Fachfragen zum Thema CIR

Als gefragter Gesprächspartner stand im Rahmen der offenen Diskussion mit den Zuhörern Generalmajor Vetter dann Rede und Antwort: Er stellte noch einmal klar, in welchem Rahmen das Kommando CIR als Teil der Verfassungsarmee aktiv werden könne und in welchem Rahmen Aktivitäten über das Mandat des Bundestages gedeckt seien. Eine lebhafte Diskussion ergab sich beim Thema »Fake News« und der Frage, inwieweit diese zu einer Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung führen und sich zu einer Bedrohung entwickeln können. In diesem Zusammenhang betonte Vetter, dass die Bundeswehr selbst keine Fake News als gezieltes Propagandamittel einsetze.

Die gute Kooperation zwischen den Forschungsinstituten und der Bundeswehr im Bereich Cybersicherheit hob Vetter ebenfalls hervor. Als Blaupause für erfolgreiche Partnerschaft nannte Martini in diesem Zusammenhang die bislang weltweit größte Zerschlagung einer Botnetz-Infrastruktur Ende 2016, als »Avalanche« lahmgelegt wurde. »Avalanche ist ein Paradebeispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen verschiedenen staatlichen Institutionen, Industrie und Forschungseinrichtungen, um voneinander zu profitieren und gemeinsam zum Ziel zu gelangen«, so der FKIE-Institutsleiter. Ohne die langjährige erfolgreiche Kooperation von FKIE und BSI sei dieser Erfolg undenkbar gewesen.

Die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer FKIE und dem Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen INT helfe der Bundeswehr beim Ausblick auf Bedrohungen in der Zukunft. Die Analyse von Megatrends unterstütze dabei, ein möglichst gutes Bild zu erhalten. Vetter: »Wie gut das dann ist, wird die Zukunft zeigen!«

Ein abschließender Satz, der Moderator Prof. Dr. Michael Meier vom FKIE die perfekte Überleitung bot, um zum gemeinsamen Networking-Abend einzuladen: Er blicke zuversichtlich in die Zukunft der IT-Branche. Als Argument hierfür lieferte er Zahlen aus einer aktuellen Bertelsmann-Studie: Dieser zufolge steige die Zahl der Schüler bis 2025 so deutlich an, »dass wir uns – wenn diese dann 2040 einmal alle ihren Abschluss haben – um Fachkräfte sicherlich keine Sorgen mehr machen müssen.«